Tante Martl ist die Tante der Autorin. Und um sie, ihre Generation und ihre Familie geht es in diesem Buch.

Als Tante Martl geboren wurde, 1925 in Zweibrücken in der Südpfalz, war sie das dritte Kind der Familie. Sie hatte zwei ältere Schwestern, Rosa und Bärbl, alle drei je 2 Jahre auseinander. Und sie war wieder nur ein Mädchen! Dem Vater war das so peinlich, dass er kurzerhand nach der Geburt den Nachbarn und Freunden gegenüber einfach einen „Martin“ daraus machte und das Kind sogar als Jungen beim Standesamt meldete. Das ging einige Wochen gut – so ein Säugling in seinem Wagen ist ja auch nicht als Junge oder Mädchen zu erkennen. Auch die Mutter machte das Ganze einige Zeit mit, dann jedoch stellte sie ihren Mann vor die Wahl: Entweder du gehst zum Standesamt und berichtigst den Fehler oder ich gehe mit den Kindern weg! Er ging und korrigierte den Fehler, im Ort jedoch wird so eine Sache nicht vergessen. Ihr ganzes Leben lang wurde die Familie davon verfolgt, augenzwinkernd, tuschelnd.

Martl – jetzt Martina - war jedoch von ihrem Vater – jetzt erst recht- ungeliebt, was er sie sein Leben lang spüren ließ. Sie ließ alles stumm über sich ergehen und floh in ihre Welt, in der sie analytisch ihre Umgebung vermaß und Bildung aufsog.

Während die Schwestern Liebschaften hatten und das Haus nach ihrer Eheschließung verließen (Rosa heiratete jung in eine reiche Familie, der Mann fiel jedoch im Krieg), blieb Martl bei ihren Eltern. Sie studierte, wurde Lehrerin und kümmerte sich weiterhin um ihren und den Haushalt der Eltern, die sie später auch pflegte. Die Familie hatte nie etwas anderes erwogen, es schien unausgesprochen gottgewollt zu sein, dass Martl sich kümmerte. Und Martl widersprach nicht. Sie wurde Patentante von Rosas Tochter aus zweiter Ehe, der Autorin, und versuchte, ihrer Nichte eine gute Tante zu sein, ihr das zu geben, was Rosa als in ihren Augen unpatente Person ihr nicht geben konnte.

Der Tod der Eltern war für Martl eine Befreiung: Sie begann zu reisen, begann, tiefere Bekanntschaften zu pflegen – ob es wirklich Freundschaften waren, bezweifelt die Autorin. Auch emanzipierte sie sich von ihren Schwestern, die ihr zunehmend fremd wurden. Nur zu ihrer Nichte pflegte sie engen Kontakt.

Collagenhaft erzählt Ursula März die Geschichte ihrer Tante und der Familie, manchmal anekdotenhaft, mit viel Lokalkolorit, dramatisch und herzerwärmend.
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Taschenbuch, 11,00 EUR *)

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