Dora kommt aus guter Familie, hat einen angesagten Job als Werbefrau und lebt in einer tollen Beziehung in Berlin. Doch dann passieren zwei Sachen: Die alltäglichen Auseinandersetzungen mit ihrem Freund über den "richtigen" Lebenswandel und den Umgang mit der Klimakatasrophe beginnen zu eskalieren. Dann bricht die Corona-Pandemie aus und wirkt wie ein Verstärker dieser Konflikte. Dora flieht aus Berlin in ein altes Gutsverwalterhaus, das sie sich heimlich in der brandenburgischen Provinz in einem kleinen Dorf namens Bracken gekauft hat. Sie beginnt, das Haus und das dazugehörende Flurstück wohn- und nutzbar zu machen. Dabei kommt sie unweigerlich in Kontakt mit den Nachbarn, die so gar nicht dem Menschentypen entsprechen, den sie aus ihrem Berliner Umfeld gewohnt ist. Sie merkt ziemlich schnell, dass ihr Gelingen in Bracken aber nun einmal von diesen Menschen abhängt.

Beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Schon wieder ein brandenburgisches Dorf in der tiefsten Walachei? Beim Lesen des Buches dachte ich dann: Ja, genau dort gehört die Geschichte hin. Genau in die Mitte des derzeitigen Geschehens, von dem man immer denkt, es spielt nur in den großen Zentren. Aber dort kann sich jeder in seiner Blase aufhalten, die "richtigen" Meinungen vertreten und die "richtigen" Jobs machen. Man kann sich abgrenzen von dem, was der eigenen Weltsicht widerspricht. In einem kleinen Dorf in Brandenburg ist das nicht möglich. Ein Protagonist des Romans bringt es auf den Punkt: "Hier in Bracken sind wir unter Leuten. Da kann man sich nicht über Menschen erheben." Ein treffender Satz und ein feiner Verweis auf das andere fiktive Juli-Zeh-Dorf.

Ein großartiges Plädoyer für ein menschliches Miteinander abseits der politischen Korrektheit und des derzeitigen Meinungs- und Deutungshoheitswahns, mit sehr viel Sprachwitz und elegant geschrieben.

 

Gebunden, 22,--  EUR *)

Kaufen